Literatur und Musik zum Wein

Mit dem Klosterneuburger Chorherrn Vinzenz Oskar Ludwig (1875-1959) verband Ernst Paul (1907 - 1979) eine künstlerische Freundschaft. Hie der begnadete Literat - da der Musiker und Komponist. Dieser genialen Zusammenarbeit entsprangen zahlreiche Lieder, Kantaten und ein Opernsingspiel ("Das Veilchenfest"). Und noch eine Eigenschaft besaßen beide schöpferischen Menschen: Humor.
Die Textvorlage zur "Entstehungsgeschichte" des Marienbildnis aus dem 14. Jahrhundert veröffentlichte Ludwig 1933. Etwa 17 Jahre später - am Beginn der Zusammenarbeit - entstand die vorliegende Vertonung der "Maria Sechsfinger", die zusammen mit "Burg Hinterhaus" und den "Geroldinger Fräuleins" in die Kantate Wachauer Balladen, op.92, zusammengefasst wurde.

Maria Sechsfinger

"Meister Pinsel, eures Könnens guten Ruf
hab' ich vernommen,
um ein Bildnis für mein Kirchlein zu bestell'n,
bin ich gekommen."

Also sprach der alte Freiherr,
doch der Meister meint' bedächtig:
"Wohl ich schaff's euch,
doch vom Besten einen Eimer Löhnung möcht' ich !"

"Sollt' Ihr haben, doch beding' ich,
daß zur Arbeit er Euch stärke."
"Topp ! Es gilt !" rief froh der Meister
und begann gleich mit dem Werke.

Eine Himmelsmutter malt er
rosenfarb das Antlitz milde,
mit dem Kind am schneeigen Busen,
's ward ein liebliches Gebilde.

Und je köstlicher die Tröpflein
durch des Künstlers Kehle rollten,
desto süßer ward das Bildnis,
alle ihm Bewund'rung zollten.

Doch, je mehr er trank vom Besten
desto heftiger ward sein Fieber
und des Malers Augen gingen
voll des gold'nen Weines über.

Als er, fast zu End' gekommen,
glückberauscht den Pinsel führte,
unversehens mit sechs Fingern
er Mariens Rechte zierte.

Da den Fehler bald man merkte,
sucht' er schnell ihn wegzuwischen,
doch - o Strafe ! - kaum getilget
leuchtet wieder er vom frischen.

Weil's ihm nicht gelingen wollte
seinen Irrtum zu verhehlen,
schmipft' er schließlich:
"Die Mostschädeln können so bis fünf nicht zählen !"

Wer die Mär' nicht glauben möchte,
nach Maria Laach sich mühe,
am Sechsfingerbild er lerne,
was aus gold'ner Stärkung blühe !

Vinzenz Oskar Ludwig

Marienbildnis der Wallfahrtskirche Maria Laach am Jauerling (N.Ö.)

aus: Maria Laach am Jauerling (N.Ö.)

Vinzenz Oskar Ludwig verfasste noch weitere Gedichte zum Wein, und zeigte, dass Priestertum durchaus mit Humor vereinbar ist.

Vaganten - Lied

(vertont von Vinzenz Goller)

Aus rauhen Frostes Eisenfaust
befreit erwacht die Welt,
zersprengt hat Schien' und Brünne ihr
Frühling, der starke Held.

Mit Blütenschnee bräutlich geschmückt
das Tal lenzfreudig lacht,
der Buchen Maiengrün umkränzt
der Burgen morsche Pracht.

Manch' Schloß und Kloster liegt am Weg,
bald Welt, bald Klerisei,
wir trinken, wo der Tropfen gut,
das Schild ist einerlei.

Was tät's, wenn just nicht Frühling wär',
mit Tirilidideldumdei .....
wo junge Herzen fröhlich sind,
ist auch der Lenz dabei!

Doch wo die Weine säuerlich,
wo Raunzer führ'n das Wort,
dort schütteln wir den Staub vom Fuß,
marschieren eiligst fort.

Dort soll zu Gast der Teufel sein
und Wirtin eine Hex',
wir kehren nur beim Herrgott ein -
Punkt, Streusand, Prost und Ex !!


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CD und Liederheft zur „Weinviertler Singtradition“

Kürzlich wurde in Matzen (Bezirk Gänserndorf) eine CD mit „Geistlichen Liedern aus der Weinviertler Singtradition“ vorgestellt. Die CD, die durch die Zusammenarbeit von engagierten Weinviertler Ensembles und Chören entstanden ist, soll die regionaltypische Singtradition des Weinviertels widergeben. Gemeinsam mit dem parallel zu ihr verfassten Liederheft soll die CD auch Chöre und Ensembles motivieren, die in dem Heft bzw. die auf dem Tonträger zu findenden Melodien als regionale Botschaften in ihr Repertoire aufzunehmen.
Konkret ist auf der CD eine Auswahl von Liedern aus der Sammlung von Franz Stubenvoll zu finden, die teilweise auch in der Serie „Corpus Musicae Popularis Austriacae“ veröffentlicht wurden. Interpretiert werden die Lieder unter anderem von den Singkreisen Matzen und Hohenau, dem Kirchenchor Poysdorf oder dem A-capella-Chor Tulln.